Level Complete: Mai 2020

Happy Pride Month! Auch wenn es derzeit wirklich schwer ist, etwas zu zelebrieren, während weiterhin so viel Ungerechtigkeit herrscht und Proteste, Aufstände und Polizeigewalt die Medien füllen. Daher möchten wir auch unsere Leser*innen bitten, nicht wegzugucken, nicht zu ignorieren und vor allem: nicht still zu sein. Informiert euch, klärt auf, unterstützt soweit ihr könnt und zeigt euch solidarisch. Dieser Twitter-Thread von Elle Osili-Wood zeigt zum Beispiel sehr gut, wie auch ihr auch weiter weg, online und kostenfrei aktiv helfen könnt.

#blacklivesmatter

 

Sophia:

Für mich war der Mai wieder ein sehr Serien-starker Monat. Das fing mit der zweiten Staffel von Dead to Me auf Netflix an, bei der man auch nur schwer nach einer Episode abschalten kann. Es bleibt spannend, wenn auch leider oft mit cringe und „warum?!“ verbunden, während sich die Protagonist*innen immer weiter im rabbit hole verlieren. Es war mir fast schon ein wenig too much, wie sich die Scharade immer weiter ausfranste und es immer mehr lose Enden gab, bei denen das Duo eigentlich hätte auffliegen müssen.

Ein loses und leider auch trauriges Ende hat für mich die aktuelle Staffel Terrace House: Tokyo 2019-2020 für mich gefunden. Die neuen Folgen habe ich mir lange Zeit aufbewahrt und nun endlich angefangen zu gucken. Tatsächlich habe ich die Staffel schon vor der Meldung, dass sich Teilnehmerin und Wrestlerin Hana Kimura aufgrund von Cyberbullying das Leben nahm, abgebrochen, weil mir aufgefallen ist, wie sehr sie auch im Haus bereits zu leiden hat. Für mich war es schwer, das weiterhin mit anzusehen, weshalb ich das Gucken pausierte. Dann kam besagte Meldung Ende Mai, dass Hana sich kurz nach Abschluss der Dreharbeiten umbrachte. Nun werde ich die Staffel erst recht für mich ruhen lassen und nicht wieder anfangen. Ich bin sehr gespannt, wie in der wohl nächsten Auflage das Moderations-Team auf dieses Ereignis reagieren wird. Ich schrieb bereits, wie die Moderator*innen ihren Teil zur Wahrnehmung von Situationen unter den Teilnehmer*innen beeinflussen und – für uns als westliches Publikum – teils ganz anders deuten und verharmlosen. Immerhin lässt sich sagen, dass dieses traurige Ereignis dazu geführt hat, dass mittlerweile an Gesetzesentwürfen gearbeitet wird, um Cyberbullying in Japan zu regulieren.

Hana Kimura, professionelle Wrestlerin und Teilnehmerin bei Terrace House, ✝ 23.05.2020
Hana Kimura, professionelle Wrestlerin und Teilnehmerin bei Terrace House, ✝ 23.05.2020

Zwar nun nicht mehr in chronologischer Reihenfolge, aber die letzte Serie, die ich auf Netflix sah, war die erste Staffel von Space Force und was soll ich sagen: sie hat mich gepackt. Ich will nicht sagen begeistert, da gerade das Staffelfinale für mich eher ein Kopfschütteln war, aber an sich hat mich die Staffel durchweg gut unterhalten, zumal das Thema Raumfahrt mich ohnehin fasziniert. Die Comedy-Serie von (den Macher*innen von The Office) und mit Steve Carell parodiert die gleichnamige United States Space Force, die 2019 neugegründete Streitkraft der Vereinigten Staaten. Das „Problem“, aber vielleicht auch gerade der Punkt, warum es so lustig ist: obwohl es eine Parodie sein soll, kommt einem mit der aktuellen amerikanischen Regierung so viel in der Serie einfach nur realistisch vor. Und das will schon was heißen bei so absurden Events innerhalb der ersten Staffel. Was bleibt mir mehr zu sagen als „boobs on the moon“ und hier, für alle, die es interessiert, der Link zum Trailer.

Kleiner Einschub an dieser Stelle: natürlich habe ich auch den Launch der ersten, bemannten SpaceX-Rakete vergangene Woche beobachtet!

Weg von Netflix, hin zu Amazon Prime Video. Dort habe ich zum ersten Mal realisiert, dass ich wirklich noch nie die letzten Staffeln von Futurama geguckt habe. Ich kann gar nicht beschreiben, wie viel Freude das Gucken mir derzeit bereitet. So viel Nostalgie und dennoch neuer Content auf einmal! Und das für noch ganze vier Staffeln, denn ich habe nun endlich mit der siebten der insgesamt zehn angefangen.

Außerdem habe ich endlich mal einen Blick in Apple TV+ geworfen. Leider gibt es hier keinen kostenlosen Probemonat, sondern nur eine Probewoche, als Apple-Kund*in bekommt man jedoch das erste Jahr komplett kostenfrei. Das Angebot ist nicht so ausgereift, aber ich wollte endlich Mythic Quest gucken können, habe außerdem bereits viel Gutes über The Morning Show gehört und zusätzlich entdeckt, dass mit Central Park eine neue Serie der Bobs-Burgers-Macher*innen existiert, von der ich bisher gar nichts wusste. Mythic Quest ist ein bisschen wie The Office, nur in einem Videospielentwicklerstudio. Es hat absolut nichts mit realistischer Videospielentwicklung zu tun, so viel sei an dieser Stelle gesagt. Dennoch finde ich die Serie unglaublich unterhaltsam, da sie Dinge eher aufs Korn nimmt, statt sich damit zu schmücken wie Serien wie The Big Bang Theory. Übrigens wurde im Anschluss an die erste Staffel noch die nachträgliche Quarantine-Episode aufgenommen, die komplett aus Videocalls besteht und am Ende nochmal die schöne und wichtige Botschaft übermittelt, „in diesen Zeiten“ (Hand hoch, wem diese Formulierung langsam auch auf den Senkel geht) füreinander da zu sein.

Mythic Quest auf Apple TV+
Mythic Quest auf Apple TV+

Mir fällt es aktuell wieder schwer, zur Unterhaltung zu lesen, was wieder an meinem aktuellen Buch lag. Vergangenen Monat schrieb ich schon darüber, wie mich mein Buch hat nicht packen können und stattdessen Fauler Zauber von Diana Wynnie Jones angefangen habe, welches zwar deutlich für ein jüngeres Publikum geschrieben wurde, mich aber bis zu einer bestimmten Stelle dennoch gepackt hat. An dieser Stelle Spoiler- und Triggerwarnung bezüglich sexueller Gewalt bis zum nächsten Abschnitt. Aber noch im ersten Drittel wird eine Szene beschrieben, die sich als erwachsene Person nur als Vergewaltigung lesen lassen kann, was ich extrem erschreckend finde. Ich weiß nicht, ob einem Kind die Situation so auffallen würde. Und noch trauriger ist, dass damit im restlichen Buch nicht umgegangen wird, sondern das Ereignis einfach für sich steht. Es wird beschrieben, wie die Tochter bzw. ältere Schwester der männlichen Protagonisten von einer „Armee“ (wir sprechen von etwa, wenn nicht gar mehr als 100 Männern) eingekreist und bedrängt wird. Sie selbst ist im Teenager-Alter. Ihr Bruder schafft es nicht, sich durch die Männer zu schlagen und ihrer Schwester zur Hilfe zu eilen, beide sind hilflos, bis ein Drache herbei geflogen kommt und es schafft, die Männer zu verjagen. Es wird beschrieben, wie ihre Kleidung zerrissen und ihr Körper dreckig ist. Als ihr Bruder sie beruhigen möchte, reagiert sie hysterisch auf seine Berührungen und weist ihn von sich. Der Drache wirkt einen Zauber auf sie, um das Erlebte zu vergessen. Und das… war es dann auch. Ich habe (noch) nicht viel weiter gelesen, aber musste danach direkt googlen, ob ich gerade wirklich las, was ich las und ja, es wird oft beschrieben, wovon die Stelle offensichtlich handelt und dass das junge Mädchen sich trotz des Zaubers nie ganz von dem Erlebnis erholt und sich etwas in ihr verändert hat. Abseits davon, dass es meiner Meinung nach so nicht in ein Kinder- bzw. Jugendbuch gehört, finde ich besonders erschreckend, dass diese Tatsache einfach so hingenommen und angeblich nicht weiter thematisiert wird im Buch. Was es erst recht unnötig macht, solch eine Szene mit einzubauen, wenn man sie nichtmal dazu nutzt, Leser*innen aufzuklären. ich hadere noch sehr mit mir, ob ich das Buch weiterlesen soll oder nicht…

An anderer Stelle habe ich vergangenen Monat immerhin zwei Sachbücher lesen und mich für meinen Beruf weiterbilden können, zum einen im Indie Game Publishing, zum anderen im Indie Game Marketing. Wer mehr dazu wissen mag, kann mir gern auf Goodreads folgen.

Larissa:

Nachdem der April bei mir stark von Serien dominiert wurde, war mein Mai etwas ausgeglichener.

Um aber direkt an April anzuschließen: Ich habe Black Sails beendet und die Serie lässt echt ein Loch zurück, da die abendlichen Folgen die letzten Wochen ein festes Ritual für mich waren. Ich habe bereits auf Twitter sehr viel über Black Sails gefangirlt geschrieben und kann sie nur jedem empfehlen! Die erste Staffel ist etwas anstrengend, mit viel sexueller Gewalt und zäher Story, allerdings nimmt die Serie ab Staffel 2 ordentlich Fahrt auf und die Frauenfiguren der Serie beginnen zu scheinen. Black Sails glänzt mit super diversen, vielschichtigen Figuren. Dabei bewegen sich fast alle Figuren stets in einem moralisch grauen Bereich, es gibt kein Gut gegen Böse. James Flint, die Hauptfigur, ist dabei das allerbeste Beispiel. Er ist zerrissen und grausam, aber auch charmant und verletzlich. Im Rückblick wirkt Black Sails fast wie eine tiefe Charakteranalyse verschiedenster Piraten, die einfach gut gelungen ist.
Außerdem ist Captain Flint eine queere Hauptfigur, dessen Repräsentation einfach fanstastisch ist. Und dabei ist Flint nicht die einzige LGBT+-Figur in Black Sails!
Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir, dass die Show keine Rassismen reproduziert. Obwohl sie im Zeitalter von Kolonialismus und Sklaverei spielt, fallen keine abwertenden Begriffe und eine der späteren Hauptfiguren ist Madi, eine clevere und unglaublich starke WoC.
Wen das noch nicht überzeugt: Black Sails hat zusätzlich viele historische Figuren wie Blackbeard und Anne Bonny, wunderschöne detailverliebte Kostüme, epische Seeschlachten, Intrigen, Freundschaften und einen sehr sehr guten Soundtrack!

Black Sails – Madi und Flint
Black Sails – Madi und Flint

Die zweite Serie, die ich diesen Monat angefangen (und verschlungen) habe, war New Girl. Genau wie Black Sails ist die Serie nicht neu und wahrscheinlich den Meisten längst ein Begriff! Ich habe sie bisher aber noch nicht gesehen und mit dem Einzug von Jess und co. auf Netflix, konnte ich endlich damit anfangen. Aktuell bin ich gerade durch mit Staffel 3 und muss sagen, dass mir die Serie, trotz einiger problematischer Punkte, immer besser gefällt. Mit den ersten Folgen der ersten Staffel habe ich mir noch schwer getan, nach einiger Zeit sind mir die Figuren dann doch ans Herz gewachsen. Etwas unangenehm finde ich die ständigen Kommentare über Ceces Hautfarbe (sie ist Indischer Herkunft), die in der Serie von Niemandem kritisiert oder angesprochen werden. Ab und an finde ich Jess auch ein wenig anstrengend, besonders zu Beginn. „Problematisch“ finde ich hier aber eher ihre Darstellung als geek girl, die quasi ein Kumpeltyp ist und immer dann Komplimente und Anerkennung bekommt, wenn sie sich rausputzt und ihre Persönlichkeit kurzzeitig ablegt. Mich stört es auch, wenn Figuren als nerdy und „sie lässt sich gehen“ beschrieben werden, dabei aber absolut normschön sind. Jess ist schlank, hübsch und nebenbei bemerkt IMMER top geschminkt. Sie kommt sogar mit falschen Wimpern aus der Dusche und schläft mit denen ein.
Davon abgesehen, erzählt New Girl aber charmante Geschichten aus dem Alltag und besonders die Frauenfreundschaft zwischen Jess und Cece und ihren uneingeschränkten Support untereinander mag ich sehr!

Über meine Erfahrungen mit Mass Effect 1 habe ich in unserem Patreon-Newsletter bereits geschrieben. Nach einiger Pause habe ich den ersten Teil der Kultreihe endlich beendet: Mir fehlte tatsächlich nur noch die letzte Mission und der Endkampf. Mit neu entfachter Leidenschaft für die Mass Effect-Reihe habe ich direkt den zweiten Teil begonnen. Mass Effect 2 habe ich fast in einem Rutsch durchgespielt und kam mir total schnell vor. Bevor ich es richtig realisiert habe, stand ich schon vor der letzten Mission. 123 Stunden sagt mein Speicherstand – wo sind die hin?!
Ich habe wirklich Spaß an Mass Effect, aber im direkten Vergleich zu Dragon Age gefällt mir Letzteres doch besser, auch wenn ich nicht genau sagen kann warum. Vielleicht sprechen mich die Themen oder Figuren in Dragon Age einfach noch etwas mehr an?
Mass Effect hat jedoch Garrus Vakarian und ich denke wir sind uns alle einig, wenn ich sage: Garrus ist der Beste!

Mass Effect – Garrus
Mass Effect – Garrus

Ganz was Anderes habe ich diesen Monat auf Steam entdeckt und zwar: Vampire the Masquerade – Coteries of New York. Das Vampire the Masquerade Universum sagt leider den Wenigsten noch etwas: In den 90ern war Vampire das, was heute Dungeons & Dragons ist! Und wer mir aufmerksam bei Twitter folgt, weiß, dass ich seit über 2 Jahren VTM als Pen and Paper in einer Gruppe spiele und das System wirklich sehr liebe. Wer das Tabletop nicht kennt, dem sagt vielleicht das Videospiel „Vampire the Masquerade – Bloodlines“ was, welches vor ein paar Jahren erschienen ist. Der Nachfolger ist für dieses Jahr angekündigt und ich freue mich sehr!
Um die Wartezeit zu überbrücken und auch, um mich auf die anstehende, neue Kampagne mit mir als Spielleiterin vorzubereiten, habe ich Coteries of New York eine Chance gegeben. Das Spiel ist ein Visual Novel, man navigiert sich durch Dialoge und hat verschiedene Antworten zur Auswahl. Besonders positiv ist mir der Artstyle des Spiels aufgefallen, es ist wirklich ziemlich schön. Auch Musik und Atmosphäre gefallen mir sehr gut. Die Story ist recht kurz, gibt aber einen guten Einblick in die Welt und die Hierarchien der Vampire. Insgesamt ist mein Fazit sehr positiv und ich werde das Spiel nochmal als andere Clan durchspielen! (Man kann zwischen Ventrue, Toreador und Brujah wählen und meine erste Wahl war natürlich Ventrue, wie mein geliebter PnP Charakter!) Mich stören ein paar Kleinigkeiten, wie die Tatsache, dass viele Vampire rauchen, obwohl sie eigentlich panische Angst vor Feuer haben. Außerdem habe ich gelesen, dass verschiedene Entscheidungen den Ausgang des Spiels kaum bis gar nicht verändern. Trotzdem ein netter Zeitvertreib und ein schönes Geschenk an Fans!

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