Im Interview: Vier queere, kreative Frauen zum Pride Month 2020

Es ist Juni, der jährliche Pride Month! Für den diesjährigen Pride Month wollen wir euch eine kleine Interview-Reihe vorstellen. Wir haben mit mehreren Frauen, die sich als Teil der LGBT+ Community  sehen über Pride gesprochen und wie sie diese Themen in ihre Arbeit einfließen lassen. Wir wollen ihnen so eine Möglichkeit geben, sich und ihre Arbeiten zum Thema Pride und Diversität vorzustellen – um besonders Own Voices zu Wort kommen zu lassen und zu stärken. Wir stellen euch in folgenden Interviews drei Autorinnen und eine Podcasterin vor und wünschen euch viel Spaß beim Lesen, anschließendem Stöbern und eine Happy Pride!
Wir bedanken uns bei den Interview-Partnerinnen für ihre Zeit und die spannenden Antworten!

Leni Wambach, Autorin

Twitter | Instagram | Carlsen-Shop

 

– Stell dich doch bitte vor! Wer bist du, was ist dein Bezug zu LGBT+ und was machst du?

Mein Name ist Leni Wambach und ich bin Autorin für Fantasybücher. Derzeit veröffentliche ich im Carlsen Label Impress romantisch-fantastische Geschichten. Vor einem Jahr habe ich mich dann auf Instagram als lesbisch „öffentlich“ geoutet. Das hatte ganz verschiedene Gründe, von denen einer aber war, dass ich zu dem Zeitpunkt an einem lesbischen Fantasytitel gearbeitet habe. Der lag damals noch zur Prüfung bei meinem Verlag … und ist dieses Jahr unter dem Titel „Die Jahresprinzessin – Blüte der Ewigkeit“ und „Die Jahresprinzessin – Klinge der Zeit“ erschienen. Es ist eine düstere, märchenhafte Geschichte, die ein paar Aspekte der Avalon-Saga aufgreift. Im Zentrum stehen zwei Frauen, ein Wechselbalg, das seinen Platz in der Welt noch finden muss, und eine furchtlose Kriegerin, die auch mal ohne Schwert in der Hand kämpfen lernen muss.
Aktuell arbeite ich auch wieder an einer High-Fantasy-Reihe, in welcher LGBT+ Themen einen großen Raum einnehmen. Ganz ehrlich, mir würden auf Anhieb nur … zwei Figuren einfallen (und das sind Nebencharaktere) von denen ich ganz zweifelsfrei sagen würde, dass sie hetero und cis sind. Mehr darf ich leider noch nicht verraten!

– Inwiefern findet sich LGBT+ in deiner Arbeit wieder? Legst du besonderen Wert auf Diversität, thematisierst du Erfahrungen? Wie nutzt du deine Stimme?

Wie gerade schon ein bisschen gesagt, findet sich LGBT+ besonders in meinen Figuren wieder, also; sie sind Teil des LGBT+ Spektrums. Da ich hauptsächlich High Fantasy schreibe, ist es nicht immer so einfach, Erfahrungen zu thematisieren. Das erlaubt mir aber natürlich auch, Welten zu erschaffen, in denen Diskriminierung nicht bis kaum vorkommt – was unglaublich entspannend ist. Ich möchte mit meinen Büchern vor allem zeigen, wie normal es ist, nicht-hetero oder nicht-cis zu sein. Und dass man trotzdem die Welt retten kann. Es gibt viele tolle Bücher, die sich mit alltäglichen Erfahrungen oder dem Leben von LGBT+ Menschen beschäftigen, aber ich würde mich sehr freuen, wenn Repräsentation irgendwann in JEDEM Genre ganz normal ist.
Darüberhinaus versuche ich, auch andere Formen der Diversität in meinen Büchern unterzubringen; in meiner nächsten Reihe gibt es zum Beispiel eine Figur, die in ihrer Kindheit ein Bein verloren hat.
Aber: Bei vielen Themen lerne ich auch immer noch und taste mich an sie heran, in dem ich auch Betroffenen viele Fragen stelle. Twitter ist da eine wirklich gute Quelle.

– Hast du schon immer LGBT+ in deiner Arbeit thematisiert? Falls nicht, was war der Auslöser, diese Thematik mit einfließen zu lassen?

Tatsächlich nicht. Ich habe vor „Die Jahresprinzessin“ zwei Reihen bei Impress veröffentlicht, in denen LGBT+ weniger vorkam und in denen auch die „Haupt“pärchen hetero sind. Ersteres liegt vor allem daran, dass ich in den beiden Reihen relativ wenige handelnde Figuren hatte. Letzteres hatte mehrere Gründe: Zum Einen habe ich mich schlicht und ergreifend nicht getraut, mit so einer Idee an meinen Verlag heranzutreten. Ich war mir in meiner Sexualität nicht selbstbewusst genug und hatte innerlich die Haltung, dass Publikumsverlage eh keine nicht-hetero Pärchen haben wollen.

Der Erfolg meines Debüts hat mir 2018 gezeigt, dass ich schreiben kann – und das die Leute wirklich meine Bücher lesen wollen. Auf Social Media musste ich vermehrt aus mir herausgehen, Aktionen planen, andere Menschen ansprechen, mit ihnen interagieren … All das hat mir viel mehr Selbstbewusstsein gegeben. Aber auch, dass ich mehr und mehr erfolgreiche Fantasy-Bücher auf Social Media gesehen habe, die LBGT+ thematisiert habe. Mit dieser Stimmung habe ich dann „Die Jahresprinzessin“ geschrieben, meine Zweifel überwunden und die Idee meinem Verlag vorgestellt. 

– Hast du aufgrund deiner Arbeit und Stimme für die Szene negative Erfahrungen machen müssen? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Nein, tatsächlich nicht. Das liegt glaube ich an einer Mischung aus Glück und der richtigen Social-Media-Bubble.

– Aktuell befinden wir uns im Juni, dem jährlichen Pride Month. Hat der Pride Month und seine Gesichte eine Bedeutung für dich? Hältst du ihn für wichtig für die Szene? Viele lehnen den Pride Month ja mittlerweile ab, da er von Firmen instrumentalisiert wird.

Ich habe den Pride Month letztes Jahr genutzt, um mich zu outen. Von daher habe ich da schon eine emotionale Verbindung zu. Dieses Jahr erscheint Ende des Monats auch eine eBox von einer Impress-Autorin und mir, in der unsere lesbischen Fantasy-Romane erscheinen und ich darf bei einem queeren, online Buchfestival mitmachen und eine Lesung auf Instagram halten. Von daher glaube ich schon, dass es viele Aktionen der Community gibt, um auf Probleme hinzuweisen, aber auch um die Community zu feiern und unsere Stimmen lauter zu machen. Klar, im Pride Month postet jede größere Firma einmal ein Bild mit einem Regenbogen oder verkauft Klamotten mit Regenbogenlogo zu überteuerten Preisen – aber dafür gibt es auch ganz viele Möglichkeiten zum Austausch und gegenseitigem Mutmachen. Das ist zumindest das, was ich aus dem Pride Month mitnehme.

Die Jahresprinzessin – Klinge der Zeit
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