Parvati. That’s it.

Parvati aus The Outer Worlds

Parvati. That’s it. That’s the title. That’s außerdem wie man gelungene Charaktere schreibt und noch viel wichtiger: gelungene Repräsentation. In meiner Filterblase habe ich viel zu The Outer Worlds von Obsidian gelesen und gehört. Und mindestens genauso viel und oft von Parvati. Ich bin froh, dass ich das Spiel selbst direkt zu Release angefangen und relativ schnell beendet habe, denn sonst hätte ich mich wahrscheinlich geärgert, wenn ich diese Erfahrung nicht zunächst selbst gemacht hätte. Von daher, solltet ihr so sein wie ich, spielt The Outer Worlds und kommt zurück! (Praktischer Weise ist The Outer Worlds im Xbox Gamepass erhältlich, sowohl auf der Xbox als auch am PC. Normalerweise kommt die schamlose Verkaufs-Versuch gegen Ende eines Artikels, aber hier nun der Hinweis direkt zu Beginn. Einen Link zur PS4-Version findet ihr dennoch unten.) Nun aber dennoch die deutliche Spoiler-Warnung, denn es wird auf Parvatis persönliche Side Quest eingegangen. Und wer (noch) nicht weiß, was The Outer Worlds eigentlich ist, hier noch schnell ein Trailer zum Einstieg.

 

Wer nicht spätestens jetzt Lust hat, The Outer Worlds zu spielen… nun… Parvati taucht gar nicht im Trailer auf, sowohl im damaligen Announcement Trailer als auch auf dem Cover Artwork sieht man stattdessen Begleiterin Ellie. Parvati ist es jedoch, die dem Spielenden als erstes an die Seite gestellt wird. Eine junge Woman of Color, die sich für Technik begeistert. Nicht nur, weil sie die erste Begleiterin ist, die man trifft und somit am längsten kennt, hängt sie mir am meisten am Herzen. Wer einfach nur durch die Story rusht und nicht viel auf Nebenmissionen gibt, der wird die verschiedenen Begleiter auch nicht näher kennen und zu schätzen lernen. Schon bald nachdem man Edgewater, Parvatis Heimat, verlassen hat, lässt sie tiefer in ihre emotionale Welt blicken. Wenn man sich drauf einlässt.

Parvati bittet den Spielenden, die Technikerin Junlei kennenzulernen. Sie ist ein großes Vorbild für Parvati, von dem sie noch viel lernen könne. Es ist nicht schwer, ein Treffen einzufädeln. Haben sich die beiden kennengelernt, öffnet sich Parvati schnell. Es ist nicht nur eine berufliche Schwärmerei, die Parvati für Junlei empfindet. Und sie ist von Selbstzweifel geplagt. Nicht nur, ob Junlei ebenfalls LGBTQ+ ist und Interesse an ihr hätte, sondern auch ob sie mit Parvatis Asexualität zurecht kommt. Kurz darauf erzählt sie, welche schlechten Erfahrungen sie in der Vergangenheit deshalb machen musste. Dass sie als „kalt“ bezeichnet wurde, nur weil sie sich für körperliche Dinge nicht so interessiert. Der Spielende kann ihr daraufhin nicht nur gut zusprechen, sondern sie auch noch in ihrem Vorhaben unterstützen, Junlei besser kennenzulernen. Und letztendlich sogar zusammenzubringen.

Und „obwohl“ Parvati eine lesbische, asexuelle, technikbegeisterte Frau ist, die Latzhose trägt, kann sie sich sehr wohl für „ihre Weiblichkeit“ interessieren. In der Questline hilft man ihr, einen wohlduftenden Badezusatz zu finden, das passende Parfum und ein hübsches Kleid, um sie auf ihr erstes Date mit Junlei vorzubereiten. Und war das nun ein großes Ding? Nein. Ganz unaufgeregt und selbstverständlich erzählen die Entwickler*innen von Obsidian die Storyline von Parvati. Und die Spieler*innen sind begeistert. Warum hat es so lange gedauert, bis wir so eine Figur geschenkt bekommen haben?

Kim Belair: Representation as Innovation

Anfang Oktober durfte ich an der Womenize: Film & Games im Cologne Game Haus teilnehmen. Eine der Keynotes lautete „Representation as Innovation“ von Kim Belair, Writer und Narrative Designer, die bereits an Titeln wie Assassin’s Creed Syndicate und For Honor mitgearbeitet hat, bevor sie ihr eigenes Unternehmen Sweet Baby Inc gegründet hat. Sweet Baby Inc arbeitet mit AAA- sowie Indie-Studios gemeinsam am Narrative Design. In ihrem Talk spricht sie nicht nur kurz von ihrem Werdegang, sondern auch ihren Erfahrungen, die sie in ihren 12 Jahren Beruf gemacht hat. Eine Folie ihrer Keynote sagt: „Our society has defined a ’normal‘ that we unconsciously follow. And so we manage representation as a deviation from what is normal„.

Kim erzählt von Mass Effect 2 und wie positiv überrascht sie war, dort nicht nur eine Figur of color zu erstellen, sondern auch noch andere im Spiel zu sehen. Sie machte direkt ein Foto, um es einer Freundin zu schicken und sich zu freuen. Zu freuen, dass sie sich, als woman of color, repräsentiert sieht. Warum passiert das nicht öfter? Weil sich Entwickler*innen an eine Demographie halten, bei der die Mehrzahl der Spieler weiße cis-Männer sind? Wie oft hat sie sich schon mit weißen cis-Männern in Videospielen identifiziert, die noch dazu ohnehin alle gleich aussehen. Das ist nicht schwer in gut geschriebenen narrative driven Spielen. Aber warum geben Entwickler*innen, vor allem aus AAA-Studios, Randgruppen keine Figuren, mit denen sie sich nicht nur identifizieren können, sondern auch repräsentiert fühlen?

Den kompletten Talk von Kim könnt ihr übrigens hier auf dem Kanal vom Veranstalter Booster Space sehen.

Der Gedanke freut mich, dass Spieler*innen nun ähnlich erfreut von Parvati berichten. Dass sie sich in einem Videospiel haben finden können. Und mit welcher Leichtigkeit Parvati erzählt wird und sich nicht anfühlt wie irgendeine Quote. Ich kenne zumindest eine Person, die sich sehr darüber freuen wird, dass das Thema Asexualität ohne irgendwelche Vorurteile behandelt und Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden.

Wie bereits erwähnt könnt ihr The Outer Worlds auf der Xbox oder am PC über den Game Pass kostenlos spielen. Für die PS4-Spieler unter euch sowie die Retail-Sammler haben wir hier jedoch noch einen Amazon-Ref-Link für euch, mit dem ihr ohne zusätzliche Kosten für euch uns unterstützen könnt.

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