Kind Words

Kind Words von Popcannibal

A game about writing nice letters to real people. Write and receive encouraging letters in a cozy room. Trade stickers and listen to chill music. We’re all in this together. Sometimes all you need are a few kind words.

So steht es in der Steam-Beschreibung von Kind Words, einem Spiel entwickelt und veröffentlicht von Popcannibal. Lange habe ich überlegt, wie ich sonst kurz zusammenfassen soll, worum es in diesem Spiel geht. Denn ich habe es anfangs selbst unterschätzt. Ich habe schon auf anderen Seiten von Kind Words gelesen und mir gedacht, dass ich es unbedingt mal ausprobieren mag – und endlich habe ich es getan. Was ich zuerst als ganz oberflächlich, ein paar nette Worte von Fremden, einschätzte, wurde zu einer intensiven Spielerfahrung.

Gestresst? Einsam? Sorgen? Zukunftsängste? In schlechter Stimmung? Manchmal braucht es tatsächlich nur ein paar nette Worte, um wieder auf andere Gedanken zu kommen. Doch sich diesen negativen Gedanken zu stellen ist schon ein erster, wichtiger Schritt, der nicht unbedingt leicht ist. In Kind Words kann der Spielende entweder selbst seinen (negativen) Gedanken freien Lauf lassen (für Fremde anonymisiert sichtbar) oder auf diese Gedanken und Gesuche anderer antworten. Ich entschied mich, erstmal die Briefe der anderen zu lesen (wohlwissend, dass ich einfach nur Angst hatte, selbst meine Gefühle niederzuschreiben). Im Spiel kann man sich durch diese „Requests“ klicken und entscheiden, ob man antworten mag oder nicht.

Ehrlich gesagt war ich nicht darauf gefasst, welche Nachrichten ich dort lesen würde. Es fühlte sich kurz an wie ein dunkler Sog. Beziehungsängste, Familienkonflikte und Selbstmordgedanken. Und das Wissen, dass diese Worte echt sind, von irgendwem, irgendwo geschrieben. Man muss nicht antworten, wenn man nicht will. Und man kann tatsächlich auch Nachrichten melden, wie man es eben bei Selbstmordgedanken tun sollte. Mit manchen Problemen sah ich mich selbst schon in der Vergangenheit konfrontiert und konnte antworten, wie ich damit umging. In anderen Nachrichten habe ich mich (leider) selbst wiedergefunden und konnte zumindest antworten, dass die Person damit nicht allein ist und ich uns beiden das Beste wünsche.

The most moving game of the year.

Polygon

Was zunächst nach einer  super wholesome experience klang, ist tatsächlich eine intensive Auseinandersetzung mit negativen Emotionen. Man muss sicherlich im richtigen Mindset sein, um sich den negativen Gedanken anderer auszusetzen, um nicht selbst durch diese nach unten gezogen zu werden. Nachdem ich meine ersten Antworten schrieb und dafür einige Sticker bekam – denn anders kann auf Antworten nicht weiter eingegangen werden – fühlte ich mich bereit dazu, auch meinen Gedanken freien lauf zu lassen und schrieb meine erste Request. Ich war mir nicht sicher, wie schnell und ob ich überhaupt eine Antwort bekäme – wie viele Spieler hat dieses Spiel überhaupt? Also setzte ich mich direkt wieder daran, ein paar Antworten bedacht niederzutippen. Und dann bekam ich schon die ersten drei Antworten auf mein Request.

Ich war wirklich sehr nervös. Wie würden fremde Menschen auf meinen Seelen-Striptease (nun gut, ich übertreibe, ich habe sicherlich nicht meine tiefsten Ängste preisgegeben) reagieren und antworten? Schließlich warnt einen das Spiel selbst davor, hinter jeder Nachricht stecken echte Menschen. Und diese können auch Arschlöcher sein. Im Sinne des Spiels soll man bitte auch diese melden, damit sich alle zumindest einigermaßen sicher fühlen können. Und dann las ich sie, diese wirklich lieben Worte von Menschen, die ich nicht kenne und die mich nicht kennen. Worte, die mich definitiv haben aufatmen lassen und ja, mir auch ein wenig meine Sorgen nahmen. Ich hatte Tränen in den Augen. Kaum hatte ich die ersten drei Antworten gelesen, waren da schon die nächsten zwei. Fairerweise muss ich zugeben, dass die nächsten zwei Antworten mich nicht so positiv berühren konnten. Eine davon war etwas holprig ausgedrückt und es hat sich wenig emotional/sympathisierend gelesen. Die andere in ihrer Ausdrucksweise sehr ruppig, auch wenn sie sicherlich was gutes meinen wollte. Tatsächlich fiel es mir etwas schwer, damit umzugehen. Dennoch war ich immer noch beflügelt von den ersten drei Antworten und mir war sofort klar, warum man sich diesen negativen Emotionen anderer, fremder Menschen aussetzt: wenn auch nur eine meiner Antworten ein ähnliches Gefühl bei einer Person auslösen konnte, war es das schon wert.

Mail Deer aus Kind Words

Mir war vor dem Spielen schon klar, dass ich diesen Blogbeitrag darüber schreiben möchte. Ich sah mich schon tippen „wenn ihr ein Spiel über die Feiertage spielen wollt, dann Kind Words“. Aber nein. Wenn ihr euch auf diese bewegende Erfahrung einlassen könnt und mögt, dann spielt Kind Words. Wie schon beschrieben, sollte man wahrscheinlich in der passenden Gemütslage sein, bevor man die Ängste und Sorgen anderer auf sich einprasseln lässt. Man muss dazu bereit sein, selbst seine Emotionen mit anderen zu teilen. Und ja, man muss auch gefasst darauf sein, dass einem eine Nachricht oder Antwort mal nicht gefällt oder gar mit Trollen zu tun hat. Dennoch möchte ich jedem, der nun an diesem Spiel interessiert ist, empfehlen.

Ihr bekommt Kind Words für nur 4,99€ via Steam, spielbar auf Windows, Mac, SteamOS und Linux.

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