Star Wars: The Fall of Skywalker

Ich bin unglücklich. Ich bin so unglücklich, dass ich keinen Blogeintrag schreiben wollte, weil er negativ ist, sehr negativ. Aber irgendwie möchte ich doch darüber reden, was da in Episode 9 alles falsch gelaufen ist.
Zuallererst möchte ich aber sagen, dass ich Niemandem den Film madig machen möchte. Ich freue mich für jeden, der Spaß an dem Film hatte und dem er gefällt. Ich wünschte, bei mir wäre es auch so.

Außerdem werde ich selbstverständlich weder Schauspieler, noch Regisseure auf Social Media belästigen oder angreifen.
Der folgende Eindruck ist sehr subjektiv, emotional und einfach eine kurze (oder lange, ähäm) Sammlung einiger Gedanken zu den Motiven des Films und den Abschluss der Skywalker-Saga.
Über Kontinuität, Versprechen und was Hoffnung eigentlich bedeutet.

SPOILER WARNUNG!


Mich stört sehr sehr viel an diesem Film. Und je mehr ich nachdenke, mich mit anderen Fans unterhalte und Eindrücke lese, desto mehr stört mich.
Je mehr ich lese, dass JJ Abrams seinen Kumpel wegen einer Fußballwette gecastet hat und dafür Rose komplett aus dem Franchise rausgeschrieben hat, je mehr ich lese, dass ein komplett anderes Ende geplant wurde (mit großem Input von George Lucas), dass dann aus Angst vor Fanreaktionen gestrichen wurde… desto wütender werde ich.

Nachdem Kelly Marie Tran nach Episode 8 auf sozialen Netzwerken gemobbt und rassistisch beschimpft wurde, hat ihre Rolle noch ganze 1 1/2 Minuten Screentime in Episode 9.
Man muss kein Fan von Rose sein. Sie muss sich nicht dem Heldentrio die ganze Reise lang anschließen. Aber sie hätte ihre Daseinsberechtigung gehabt, als Mechanikerin auf dem Falken. An ihrer statt sitzen da eine große Nacktschnecke und der Hobbit.
Sie hätte die Hauptperson in der Rebellenbasis sein können, die Ansprechpartnerin von Rey, Poe und Finn bei deren Rückkehr. Stattdessen wurde sie rausgeschnitten und die Nachricht, die damit vermittelt wird, finde ich sehr sehr traurig.

Ich habe außerdem ein Problem mit dem Film als Ganzem, seiner Story, seinem Fanservice.
Er ignoriert fast alles, was die vorigen beiden Filme aufgebaut haben. Und ich meine nicht nur The Last Jedi, mit dem Kind, das die Macht benutzt, in der letzten Aufnahme. Oder Finns und Rose Beziehung. Der tollen Message, dass Rey ein Niemand ist und trotzdem stark sein kann, Veränderung und Hoffnung in die Galaxis bringen kann. Dem kaputten Lichtschwert Anakins, das ohne Erklärung wieder repariert ist, nichtmal eine Schweißnarbe hat.
Ich rede auch von Episode 7, mit Reys Vision der Knights of Ren im Regen, Maz Kanatas Prophezeiung, Rey die eine neue Familie sucht und endlich NICHT mehr in Einsamkeit leben muss.
Ich rede von den Büchern, die von Disney als Canon beworben wurden und Poe Damerons Vergangenheit bereits komplett geklärt hatten: Seine Eltern waren Piloten der Neuen Republik unter Leia. Er war in der Navy der Republik. Warum baut man hier eine neue Backstory ein, statt die Zeit zu nutzen, um an vorhandenen Storysträngen zu feilen? 

Mich stört, dass man Poe auf Teufel komm raus hetero machen musste, mit seinem Geflirte mit Zorri Bliss, das rein gar nichts zur Story beigetragen hat.
Dabei stört mich nicht mal Zorris Figur an sich. Oder dass Poe und Finn keine Romanze bekommen haben, denn das habe ich nicht unbedingt für die beiden gesehen.
Aber dieses Aufdrücken eines Stempels, den es wirklich nicht gebraucht hätte und der Figur und der Diversität des Films mehr schadet als alles Andere – das stört mich. Hier wären Chancen gewesen Zeichen zu setzen, die, wie bei Kelly Marie Tran mit Rose, nicht genutzt wurden. Im Gegenteil.

Abandon all hope

Mich stört auch immens Palpatines Wiederkehr und dass damit Anakins Opfer und die komplette Original-Trilogie quasi umsonst waren. Es wird nicht einmal erklärt warum er wieder da ist, wie das alles möglich ist, wieso das jetzt erst bekannt ist. Er ist halt da, der gute alte Palpi, und hat eine Flotte mit 10.000 Schiffen dabei und eine Masse an gesichtslosen Sith, die in den vorherigen Filmen nie erwähnt wurden. (Snoke wurde nie als Sith bezeichnet. Kylo ist kein Sith.)
Mich stört, dass aus dieser Palpatine-Story ein atemloser Staffellauf gemacht wurde, da so viel Neues untergebracht und erledigt werden musste und dafür Charakterentwicklung und emotionale Szenen komplett auf der Strecke bleiben.
Der Film fühlte sich teilweise an, wie ein Spiel, dass man schnell durchspielen möchte und man erledigt nur die Hauptquests, ohne sich umzusehen oder sich Zeit für die Welt und die interessanten Nebenquests zu nehmen.

Große Figuren sterben und wir dürfen nicht einmal trauern, da sofort eine andere Szene folgt. Alles passiert Schlag auf Schlag. Kylo Ren hat nach seiner Erlösung zu Ben Solo keinen Text mehr. Er sagt nicht ein Wort, bis auf „Au“.
Nach seinem Tod wird er nie wieder erwähnt. Der letzte Skywalker. Für den sich Minuten vorher noch Leia geopfert hat, um ihn durch die Macht zu erreichen.

Bens Tod an sich ist eine Tragödie, auch wenn ich das habe kommen sehen. Immer wieder wurde gesagt: Er ist nicht Vader. Er ist noch ein Kind. Aber am Ende stirbt er, wie Vader.
Keine Chance besser zu sein, etwas Gutes zu hinterlassen. Mich stört dabei, wie unglaublich emotional die Darstellung Kylo Rens war, immer bedacht darauf den Zuschauer wissen zu lassen, dass er kein grausames Monster ist, sondern im großen Zwiespalt. Ein Junge, der von Kind an von Snoke manipuliert und gequält wurde. Meiner Meinung nach war Kylo Ren oder eben Ben Solo die interessanteste Figur der neuen Trilogie. Greifbar, menschlich. Ein Bruch mit toxischer Maskulinität und zweidimensionalen Bösewichten. Natürlich hätte Ben nicht einfach glücklich in den Sonnenuntergang laufen können und alles ist vergeben und vergessen. Er hat Schlimmes getan. Aber er hätte auch viel Gutes tun können. Und mit eben dieser Wiedergutmachung beginnen können. Redemption-Arcs gibt es viele, sie müssen nicht im Tod enden.
Vader war alt, als er starb. Er wurde stets als grausam und furchteinflößend gezeigt, bis auf seinen letzen Moment. Vader hinterließ Kinder. Ben war erst 30.

Die Nachricht, die damit transportiert wird, dass Erlösung und Wiedergutmachung immer nur mit dem Tod zu bezahlen ist, ist keine, die für mich nach Star Wars schmeckt. Nach der Hoffnung und der Zukunft, die JJ Abrams vor Release groß angekündigt hat. Und wir haben sie einfach schonmal gesehen. Und das mag ein Problem von persönlichen Erwartungen und Hoffnungen sein, aber ich hatte wirklich gehofft, dass hier mit der Vader-Symbolik clever gespielt wird und sein „Ich werde beenden, was du begonnen hast!“ in etwas Positives umgedreht wird.

Richtig schlimm finde ich in der Hinsicht auch die unbeantworteten Fragen: Was passiert mit der Machtverbindung von Rey und Ben, wenn einer von beiden stirbt?
Kleiner Exkurs – das Videospiel Knights of the Old Republic II hat sich dieser Frage genauer angenommen:

A bond between two living beings is not something easily broken. It is not a choice… it is like breaking a feeling. Like turning away from the Force. To break a bond, your feelings would have to change, or one of you would have to die—but even then, the bond wouldn’t go away, it would simply… it would simply be empty, a wound.

Heißt das, Rey hat für den Rest ihres Lebens Schmerzen? Warum erscheint Ben nicht als Machtgeist am Ende, auf Tattooine? Warum fühlt sich alles daran gehetzt und unüberlegt an?
Ein weiteres Element, dass mich an Bens Todesszene stört, ist Reys Rolle.
Er stirbt nach einem Kuss, was rein erzählerisch – rückblickend auf Märchen und alte Filmlore – Reys einzigen Kuss in der Saga zu einem Kuss des Todes macht. Aus einer jungen, strahlenden Frauenfigur, die Hoffnung bringt und Kraft aus sich selbst schöpft, wird eine Palpatine, deren Liebe, im übertriebensten Sinne, tödlich ist.

Meiner Meinung nach war da sehr viel Potential für einen Abschluss vorhanden: Eine Rebellion der Sturmtruppen, eine Meuterei durch Hux gegen Supreme Leader Ren, das verzweifelte Suchen nach Verbündeten des Widerstandes, Kinder, die die Macht in sich tragen.
Mich macht wütend, wie offensichtlich der Film an manchen Stellen zurückrudert, zum Beispiel als Luke das Lichtschwert fängt, dass er in Episode 8 noch weggeworfen hat.
Ich bin nicht der größte Fan von Episode 8, besonders was Lukes Charakterisierung angeht, aber sich innerhalb eine Trilogie immer wieder zu widersprechen, sein Wort zurückzunehmen und es schnell nochmal anders zu machen, als „Entschuldigung“ an toxische Fans, das halte ich für fatal und unprofessionell. „Retcon“, Retroaktive Kontinuität, nennt man das.
Stattdessen bleiben einfach viele Fragen offen, viele Figuren finden ein – für mich – unbefriedigendes, übereiltes Ende und Versprechen werden nicht gehalten.


Ein falsches Gefühl von Nostalgie

Auch das Ende von Episode 9 gefällt mir nicht.
Ich verstehe, was da versucht wurde. Nostalgie, Tatooine, der Sonnenuntergang.
Für mich funktioniert es aber nicht.

Tatooine war von Anakin verhasst, Luke hat es nie wieder besucht, Leia hat keinen Bezug zu dem Planeten.
Rey ist wieder alleine. Auf einem Wüstenplaneten, dem sie entkommen wollte. Ohne Familie und Freunde. Nachdem ihre ganze Geschichte darauf beruhte, Familie und Freunde zu finden und ihren eigenen Wert zu erkennen, finde ich es ein sehr eigenwilliges Ende sie in der letzten Aufnahme alleine zu zeigen. Für mich war es irgendwie beklemmend, so schön der „binary sunset“ auch ist.
Die Tatsache, dass alle Skywalkers tot sind und ein Palpatine ihren Namen annimmt finde ich schwierig und zu einfach gelöst.

Lor San Tekka sagte in Episode 7 noch zu Kylo Ren:

„Aber dennoch kannst Du nicht verleugnen, aus welcher Familie Du stammst.“

Das zählt scheinbar nicht für Rey.


Ich möchte dazu sagen, dass ich auch viele Stellen des Filmes genossen habe. Ich mochte die Abenteuer von Rey, Poe und Finn. Ich habe die Kampfszenen geliebt. Ich finde es toll, dass mehrfach angedeutet wurde, dass Finn auch force-sensitive ist. C3PO war erfrischend witzig. Die Cameo von Han Solo.
Ich habe viele Parts im Kino sehr gefeiert und ich war gut unterhalten.
Nur wenn ich den Film als Teil einer Trilogie und als Abschluss einer Ära, der Skywalker-Saga betrachte… dann finde ich ihn einfach schade.
Was bleibt, ist ein Eindruck eines gehetzten, unsicheren Filmes, der nicht weiß, was er werden und sagen will.

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1 Comment

  • Den geäußerten Kritikpunkten kann ich fast durchweg zustimmen, allerdings gelang es dem Film, durch seine schiere unterhaltsame Wucht bei mir die nagenden Zweifel und Fragen zumindest nicht schon im Kino aufkommen zu lassen. Und letztlich hatte bei mir die ersten zwei Filme der neuen Trilogie schon die Erwartungshaltung soweit gesenkt, dass ich gar nichts Großartiges erwartet habe. Star Wars ist eigentlich mit Return Of The Jedi zuende erzählt, und zwar rund und schlüssig. Die Sequel Trilogie mit ihren aufgewärmten unoriginellen Konflikten, ihrer völlig unterentwickelten Makro-Erzählebene und ihrem nostalgie-barmenden visuellen Konservatismus hat für mich nie als würdige Fortsetzung funktioniert, sondern eher als hochbudgetierte Star Wars-Rip-Offs, unterhaltsam, aber im Prinzip unnötig. Ach hätte man doch einfach die Thrawn-Trilogie an den Prequel-Trilogie-Kanon angepasst und verfilmt.

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