Im Interview: Vier queere, kreative Frauen zum Pride Month 2020

Amalia Zeichnerin, Autorin

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– Stell dich doch bitte vor! Wer bist du, was ist dein Bezug zu LGBT+ und was machst du?

Ich bin Amalia Zeichnerin, Autorin, cisgender, weiß, pansexuell, grau-asexuell, und intersektional (Mensch mit Behinderung und einer chronischen psychischen Erkrankung). Ich veröffentliche seit fünf Jahren Romane und Novellen, meistens mit queeren Protagonist*innen und auch entsprechenden Liebesgeschichten, die aber nicht immer im Vordergrund stehen.
Meine Veröffentlichungen sind hier zu finden und einen Essayband über Diversität in der Literatur habe ich auch geschrieben.

– Inwiefern findet sich LGBT+ in deiner Arbeit wieder? Legst du besonderen Wert auf Diversität, thematisierst du Erfahrungen? Wie nutzt du deine Stimme?

Ich beschäftige mich seit etwa anderthalb Jahren zunehmend mit Diversität. Ich bin selbst intersektional, Teil mehrerer marginalisierter Gruppen. Ich habe zwei Contemporary Romane über einen Protagonisten geschrieben, mit dem ich die Erkrankung Depressionen teile und konnte darin stark eigene Erfahrungen mit einfließen lassen (Die Romane „Die Rolle seines Lebens” und „An seiner Seite”). Gleiches gilt auch für eine Kurzgeschichte, die ich für die Anthologie „Urban Fantasy Going Intersectional” geschrieben habe (diese erscheint im Winter 2020).
Ich sehe mich als cis Ally und habe eine Krimireihe über eine viktorianische, lesbische trans Frau geschrieben („Die mysteriösen Fälle der Miss Murray”). Viele Leute können sich ja nicht vorstellen, dass es LGBTQ* Menschen bereits seit der Antike oder noch früher gibt. Ich habe ein Faible für historische Stoffe und deshalb bringe ich da auch immer gern Queerness mit hinein, um zu zeigen, dass Queerness kein Phänomen der Neuzeit ist.
In vielen meiner Bücher gibt es außerdem BI_PoC, teilweise auch Menschen mit einer Behinderung oder andere Diversitätsthemen. Im September erscheint ein Gay Romance Roman von mir mit einem Schwarzen Protagonisten: „Love & Crime 101”. Das Buch wurde von einem Sensitivity Reader gelesen. Ich habe schon öfter mit Sensitivity Readern zusammengearbeitet und biete das auch selbst an, über diese Seite Sensitivity Reading!
Dort findet man Informationen darüber und auch eine Liste mit Sensitivity Readern.

Ich habe einen Essayband geschrieben: „Diversity in der Literatur”. Ich möchte damit anderen Autor*innen, die gern mit mehr Diversität schreiben möchten, Anregungen und Gedankenanstöße bieten. Einen Teil der Erlöse für diesen Essayband spende ich an das gemeinnützige Projekt „Queer Lexikon”.

– Hast du schon immer LGBT+ in deiner Arbeit thematisiert? Falls nicht, was war der Auslöser, diese Thematik mit einfließen zu lassen?

In meinem ersten Roman noch nicht, danach immer mehr. Mittlerweile kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen, ausschließlich heteronormativ zu schreiben.

– Hast du aufgrund deiner Arbeit und Stimme für die Szene negative Erfahrungen machen müssen? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Nein, ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht. Das hängt aber auch damit zusammen, dass ich erst relativ spät meine eigene sexuelle Orientierung wirklich begriffen habe und seit zehn Jahren als cis Frau in einer Beziehung mit einem cis Mann lebe, von daher gehe ich als hetero durch, auch wenn ich es nicht bin. Ich erzähle auch nicht ständig jedem, dass ich queer bin, sondern nur bei Nachfragen.

– Aktuell befinden wir uns im Juni, dem jährlichen Pride Month. Hat der Pride Month und seine Gesichte eine Bedeutung für dich? Hältst du ihn für wichtig für die Szene? Viele lehnen den Pride Month ja mittlerweile ab, da er von Firmen instrumentalisiert wird.

Ich kann verstehen, dass die Kommerzialisierung kritisch gesehen wird, ich sehe das auch so. In Subkulturen und z.B. Hobby-Communities habe ich das auch immer wieder beobachtet, dass Kommerzialisierung abgelehnt wird. Aber so ganz verhindern lässt sich das nicht.
Auf der anderen Seite finde ich den Pride Month sehr wichtig, auch aufgrund der queeren Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weil ein ganzer Monat natürlich für mehr Sichtbarkeit sorgt, als wenn sich das auf einen einzelnen Tag beschränken würde. Was natürlich dann auch den queeren Aktivist:innen zu Gute kommt.

Bonus: Ein gratis Extra von mir zum Pride Month:
Ich biete hier einige Motive zum Download und zur freien Verwendung – es sind Pride Flaggen Herzen.

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