Das Gamer-Girl Problem

Weibliche Hände mit lackierten Fingernägeln halten einen PlayStation-Controller.

Gamer-Girl. Das Wort, das jeden weiblichen Spielefan erschaudern lässt, zumal die meisten von uns es nicht selten zu hören bekommen.
Gamer-Girl, das ist die spöttische Bezeichnung für eine Frau, die gerne mal mit Controllern oder Spielen posiert – hauptsächlich, um Männer zu beeindrucken – mit Videospielen aber sonst nichts am Hut hat. Ein oberflächliches Mädchen, das bloß (männliche) Aufmerksamkeit möchte und diese einfordert, indem es sich als Liebhaberin eines ‚männlichen’ Hobbies darstellt.
Muss man so ein Verhalten gutheißen? Absolut nicht. Aber, ihr ahnt es fast, so einfach ist es nicht, mit der spöttischen Gamer-Girl Bezeichnung.

Story Time!

An dieser Stelle ist es Zeit für einen kleinen Exkurs zurück in meine Studienzeit. Es ist noch gar nicht allzu lange her, dass die App „Jodel“ sich plötzlicher Beliebtheit erfreute. Jodel ist eine App für Studenten, in der anonym gepostet wird, über Alltagssituationen, Klausurenphasen, Pannen aus dem Liebesleben, bis hin zu Ratschlägen und Partytipps. Angelockt durch witzige Screenshots im Internet, legte ich mir ebenfalls die App zu.
Und ich hatte Spaß: Ab und an schrieb ich über witzige Erlebnisse beim Einkauf, gab ironisch Datingtipps und postete Bilder meiner Hunde, die besonders gerne angeschaut wurden.
Eines Abends war es dann soweit: Es war ein gemütlicher Winterabend und der Feed der App war voll von Bildern von lauschigen Wohnzimmern, dampfenden Tee-Tassen und Feierabend-Bieren. Auch ich war in Feierabend-Stimmung. Ich war frisch geduscht, in einen Wollpullover gekuschelt, hatte frisch lackierte Nägel und ein ungeöffnetes Watch_Dogs 2, das nur darauf wartete gespielt zu werden. Und ich wollte Teil dieser gemütlichen Freitagabend-Community sein. Kurzerhand setzte ich mich also auf meine Couch, legte Spiel und Controller bereit und zupfte etwas meine Ärmel zurecht. Ich machte ein Foto.
Darauf zu sehen: Meine Hand mit Pullover, wie sie einen PlayStation4-Controller hält, mein Fernseher plus Konsole im Hintergrund und eine eiskalte Flasche Fritz-Kola.

Freudig lud ich das Bild hoch – anonym versteht sich. Kein Username, keine Angabe zu Geschlecht und Alter, nur ein Foto.
Rückblickend war ich wirklich naiv positives Feedback zu erwarten. Denn was ich mir erhoffte, waren Kommentare wie „Viel Spaß!“, wie sie unter anderen Bildern zu finden waren. Vielleicht sogar Leute, die sich über meine Spielauswahl freuten und Interesse daran bekundigten. Im schlimmsten Fall würde das Foto einfach keine Beachtung finden.
Doch dann kam alles anders: Binnen weniger Sekunden hagelte es Hass und Missgunst.

„Billiges Gamer-Girl!“ – „Leg doch gleich FIFA hin, dumme Kuh!“ – „Die Fingernägel mussten ja mit drauf, blöde Tussi!“ – „Wo sind die Titten?“ – „Oh Gott, bettle woanders nach Aufmerksamkeit!“ – Und ich war sprachlos. All das, weil meine lackierten Nägel mit auf dem Bild waren.

All das, weil das Bild verraten hat, dass ich nicht nur eine Frau bin, nein, ich bin eine Frau, die Wert auf Äußerlichkeiten legt.

 

Unausgesprochene Gesetze

An dem Abend war ich wütend und wenig später löschte ich die App, da es nicht das erste Mal war, dass spitze Kommentare gezielt weibliche User angriffen.
Und Wochen später war ich immer noch wütend. Denn so etwas war mir noch nie zuvor passiert.
Doch viel mehr beschäftigte mich folgende Frage: Wo steht eigentlich geschrieben, dass Gamerinnen und „Geek-Girls“ nicht hübsch und gepflegt aussehen dürfen? Das Klischee des stinkenden, verpickelten Gamers halte ich schon für lange überholt. Aber eine Frau ist des Hobbies scheinbar nur dann würdig, wenn sie dabei möglichst unfeminin ist. Jogginghose und weites Shirt, unfrisiert und spontan, ja, der nimmt man die Liebe für Spiele ab. Die ist authentisch, ein echter Fan.
Eine Frau, die sich mit Makeup, Nagellack und hübscher Kleidung schmückt, die „schmückt“ sich auch mit einem Hobby, so muss es doch sein. Denn anscheinend darf eine Frau in Kreisen der Szene nicht beides sein: Schön und ‚cool’.
Aber welche Frau tut denn so etwas? Welche Frau zahlt hunderte von Euro für eine Konsole und Spiele, nur um auf Fotos interessant zu erscheinen?

Denn das alles passiert nicht für Männer. Zumindest nicht immer, nicht ausschließlich, nicht von vornherein. Ich schminke mich nicht für Männer, sondern weil ich Spaß daran habe und ich mir so gefalle. Ich kleide mich schön, um mein Selbstwertgefühl zu steigern und mich wohlzufühlen. Ich lackiere meine Nägel, weil ich es hübsch finde. Und ich zocke, weil ich Spaß daran habe.
Fast 20 Jahre stand die PlayStation 2 in meinem Zimmer, ohne dass je ein Mann davon erfuhr. Ich besiegte meinen Kumpel in Mario Kart und tauschte Pokémon mit meinem Cousin. Und nie, wirklich nie, hatte ich dabei das Gefühl mich als Frau erst als würdig erweisen zu müssen.

Nie hatte ich das Gefühl ein männliches Hobby an mich ‚zu reißen’ und mir zu Eigen zu machen.

Und doch, so scheint es, darf ich dies nur in geschlossenen Räumen tun. Denn wenn ich meine Liebe für Games nach außen trage, wenn ich darüber twittere, instagramme und jodele, dann wird sie hinterfragt.

Warum darf eine Frau nicht mit einem Controller posieren, um zu zeigen, worauf sie sich den Nachmittag freut? Selbstdarstellung, ja, das kann man kritisieren. Aber dann bitte immer und überall. Bei jedem Foto aus dem Fitnessstudio, aus dem Büro, des Autos oder der Filmsammlung. Man mag es für unnötig halten, aber Selbstdarstellung ist per se nichts Schlechtes.
Wir alle, oder fast alle, freuen uns über Rückmeldung, über Austausch. Wir alle haben ein Idealbild von uns, Wünsche, Ziele. Wir sind stolz auf Dinge. Es mag oberflächlich sein, aber es ist auch menschlich.
Selbstverwirklichung steht nicht ohne Grund an der Spitze der menschlichen Bedürfnis-Pyramide und im digitalen Zeitalter spielen soziale Medien dabei eine große Rolle.
Jeder mag Komplimente, ist bedacht ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln. Und mehr als einmal habe ich wunderbare Freundschaften geschlossen, basierend auf gleichen Interessen – welche ich ohne diese Selbstdarstellung nie herausgefunden hätte.

Aber sobald sich jemand anders selbst darstellt, als wir es für angebracht halten, wird es schwierig. So hat eine zockende Frau sich nicht die Nägel zu lackieren, um authentisch zu bleiben. Sie hat sich auch nicht auszuziehen, das ist unanständig und billig. (An dieser Stelle sehe ich davon ab, hier eine neue Debatte zu eröffnen: Die der körperlichen Selbstbestimmung der Frau.)
Und doch ist es das, nur, dass es nicht um Nacktheit geht, sondern um Lippenstift und gepflegtes Haar und einem Rock, statt einer Jogginghose.
Man muss sich fragen, wo das herkommt, diese längst überholte Vorstellung, dass Frauen nicht zocken. Wenn, dann ja nur Barbies Reiterhof oder die Sims. Und die Frau, mit der du gemeinsam den Destiny-Raid bestreitest, die kann aus Prinzip einfach nicht schön sein.

Warum das Ganze?
Vielleicht hat ein gewisses elitäres Denken der Gamerszene Schuld. Dass man erst würdig sein muss, sich Gamer zu nennen, dass eine Konsole oder ein PC noch keinen Gamer macht.
Vielleicht ist es das Frauenbild, das ewige Klischee, das in Spielen anzutreffen ist und die fehlende Fähigkeit „echte“ Frauen in der Realität zu verstehen, anzuerkennen, zu respektieren.
Vielleicht ist es auch einfach der ewige Sexismus, welcher der Szene vorgeworfen wird, denn auch der kommt nicht von ungefähr.

Je weniger Leute sich von dieser Kritik angesprochen fühlen, desto besser. Denn ich weiß, dort draußen gibt es viele männliche Spieler, die den Stellenwert der Frau in der Szene längst erkannt haben.
Die über Elitarismus und Gender stehen und sich über jeden freuen, der Spaß am Spielen hat. Männer, die spielende Frauen heiraten und längst wissen, dass die Frau an der Konsole kein Mythos ist.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Sorte Mensch lauter wird, ihre Reichweite größer.
Dass sich irgendwann eine Lena Meyer-Landrut nicht mehr für eine Einladung zu einem Bethesda-Event rechtfertigen und sich erst einer Reihe „Testfragen“ unterziehen muss, bloß weil sie ja ein „Popsternchen“ ist.
Dass es völlige Normalität ist, dass Frauen zocken, dabei fluchen, lachen, weinen und Lippenstift tragen. Dabei Frau sind, kein „entweiblichtes Wesen“.
Dass ich auch mit lackierten Nägeln meinen Controller halten darf, ohne auf Zynismus und Beleidigungen zu stoßen.

Dass wir einfach das sein dürfen, was wir eigentlich alle sind: Menschen mit einem verdammt coolen Hobby!

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23 Comments

    • Ja, man denkt leider immer, dass das nicht mehr so der Fall wäre, aber das ist wohl wirklich nur in unserer Blase so und sobald man, eben wie durch Jodel, wieder andere erreicht, sind die Reaktionen dann doch auch mal schockierend. Und danke für die interessante Video-Verlinkung!

      • Das mit der Filterblase ist wohl genau der Punkt. Genau deswegen sind solche Artikel auch so wichtig. Die können vielleicht auch die Blase verlassen.

        • Man muss sich dieser Blase eben auch immer bewusst sein. Häufig bekommt man bei solchen Themen ja auch Gegenwind, dass das nicht so sei, weil es einen selbst nicht betrifft. Aber das heißt leider noch lange nicht, dass „alles gut ist“.

  • Ich verstehe ja nicht, was das eine mit dem anderen zu tun haben soll. Vielleicht liegts daran, dass ich schon in Zeiten vor dem Internet gespielt hab und mich immer gefreut hab, Gleichgesinnte zu treffen, völlig unabhängig von Geschlecht, Aussehen etc. pp. Hauptsache Spaß am Spiel. Mittlerweile liegen meine Prioritäten etwas anders und ich spiele nur noch selten, aber ich beobachte das Ganze durchaus interessiert. Und immer wieder muss ich den Kopf schütteln.
    Zum Glück hab ich auch einige Spielerinnen in meiner Twitter-TL, durch die ich immer wieder automatisch über aktuelle tolle Spiele informiert bin. Sie sind es auch, die darüber berichten, was in der Szene passiert. Und durch sie bin ich auch auf diesen wichtigen Blogpost gestoßen.

    Kurz und knapp: nicht unterkriegen lassen. Spiele sind für alle da. Und alle sollen Spaß dran haben.

    • Das Beruhigende ist auch, dass unter „Gleichgesinnten“ noch nie solche Kommentare gefallen sind und ich über 20 Jahre nie beleidigt oder schräg angeschaut wurde. Bewegt man sich aber eben von diesem Kreis und dem Hobby weg, scheinen Klischees immer noch den Ton zu dominieren. Einige Frauen haben mir bezüglich des Artikels geschrieben und meinten, es ginge ihnen in vielen Bereichen und im Job nicht anders – und das sollte dringend kritisiert und immer wieder thematisiert werden. 🙂

      • Ja, das kann ich auch immer mehr beobachten, dass Vorteile und Klischees immer noch extrem häufig gepflegt werden, bis hin zu beleidigendem oder erniedrigendem Verhalten. Da hilft wirklich nur ansprechen und dagegen reden. Schaffe ich leider nicht immer, weil ich ein relativ schüchterner Mensch bin, aber ich versuche mein bestes. 🙂

  • Erstmal Glückwunsch zu Eurem Blog, der optisch und inhaltlich so schön frisch und unkonventionell daherkommt. Wie dieser Text hier. Sehr kurzweilig geschrieben und flüssig zu lesen.

    Im Gegensatz zu den dämlichen Kommentaren die Du erhalten hast, nachdem Du nur gemütlich das Wochenende einleiten wolltest. Und dann so was. Das geht gar nicht. Ich kann Deine Verärgerung gut verstehen; und auch dass Du die App gelöscht hast. Es wäre auch sicher nicht ratsam gewesen, auf solch niveaulose Kommentare zu reagieren. Mit solchen Leuten, möchte man ohnehin nichts zu tun haben. Besser Ignorieren. Aber diese Deppen haben Dir den Abend versaut, und das allein ist schon schlimm genug.

    Trotzdem würde mich interessieren, was das für Leute sind, die solche Kommentare verfassen und wie die sich verhalten würden, wenn man sie im wahren Leben damit konfrontieren würde. Von Angesicht zu Angesicht; ohne sich feige und anonym hinter dem PC zu verstecken.

    Ich habe mich gefragt, ob Dir das auf Twitter auch so passiert wäre. Da sind ja viele weibliche Bloggerinnen und Spielerinnen unterwegs, denen ich folge und die sehr schätze.
    Spinner gibt es ja überall auf der Welt, auch auf Twitter. Aber dennoch. Ich glaube, das wäre Dir auf Twitter nicht in der Form nicht passiert. Und selbst wenn auch nur ein abfälliger Kommentar auftaucht wäre, hätte es Gegenreaktionen gegeben.

    Ich würde das ja gerne testen wollen. Poste doch genau dieses Foto mit genau diesem Text erneut, aber diesmal auf Twitter. Ich wäre wirklich auf die Reaktionen gespannt, Du auch? Ist ja nur ein Experiment.

    • Ich kann natürlich nicht für Larissa sprechen, die den Artikel schrieb, aber Jodel ist ja anonym und vom geografischen Umfeld abhängig, bei Twitter sucht man sich selbst aus, wen man folgt und entwickelt schnell eine Blase. Man kennt seine Follower und folgt Leuten, die ähnliche Hobbies haben. Dort passieren negative Kommentare viel seltener. Gleiches gilt für Instagram.

      Aber tatsächlich wäre das nochmal eine interessante Idee, wenn wir das gleiche Foto auf allen drei Plattformen (inkl. Jodel) posten und die Reaktionen vergleichen würden.

    • Hallo Ferdi,
      erstmal vielen Dank für dein Lob und deine Rückmeldung, das freut mich sehr!

      Ich denke viel meiner Erfahrung hängt damit zusammen, dass Jodel eine anonyme App ist. Bei Twitter, Facebook etc ist mir das noch nie passiert. Zumindest wurde mir sowas noch nie direkt geschrieben, ob Menschen hinter meinem Rücken reden kann ich ja nicht wissen.
      Wie Sophia schon sagte, sucht man sich auf Twitter ja aber auch seinen Followerkreis selbst aus, meistens inspiriert durch gemeinsame Interessen. Im Falle von Jodel hingegen setzt man sich einfach dem Querschnitt einer gesamten Stadt aus, Menschen mit verschiedensten Einstellungen und Interessen.
      Aber ich denke Idioten gibt es überall.

  • „Idioten gibt es überall“, wie Du selbst in einem Kommentar meintest, leider.

    Spontan stelle ich mir da auch noch die Frage von was für Leuten die Kommentare kamen… wie viele davon waren überhaupt selbst Gamer, waren auch Frauen dabei, etc… ist ja eine anonyme App, also durchaus möglich das da Leute dabei waren die einfach die Gelegenheit zum trollen nutzen wollten.

    Persönlich habe ich das Hobby auch noch nie als „men only“ gesehen, habe sogar zu Schulzeiten schon Mädchen gekannt die gezockt haben, auch wenn es nicht viele waren… und immer mal wieder weitere kennengelernt über die Jahre.

    Lass es Dir von solchen Sachen nicht vermiesen und Game On 🙂

  • Hey Larissa,

    was für ein wunderbarer Text. Mir geht glatt das Herz auf, wenn ich solche Zeilen lese. Zwar bewege ich mich eher am Rande der Gamer-Szene, trotzdem kann ich mir lebhaft vorstellen, wie du dich gefühlt haben musst. Mir ging es zu meinen Zeiten in der Anime-Szene ähnlich. Mir warf man gerne vor, dass ich ja nur ein Pseudo-Fan sein, weil ich nicht voll und ganz auf Anime und Manga fixiert war, sondern eine breite Palette an Interessen hatte. Von Äußerlichkeiten mal ganz zu schweigen.

    Ich habe mich lange gefragt, ob dahinter nicht die eigene Schubladisierung einer Szene steckt. Man muss sich selbst gewisse Labels und Stempel aufdrücken, damit man sagen kann: Das bin ich. Eine Frage, die ja so schon unendlich schwer zu beantworten ist. Und wenn dann das „Fake-Gamer-Girl“ daher kommt und sich nicht an den einen Schubladen-Kodex hält, oh, dann ist der Teufel los. Da bringt man das Selbstbild anderer ins Wanken.

    Damit will ich die Kommentare, mit denen den Post bedacht wurde, keinesfalls gutheißen. Das ist einfach ätzend und gehört sich nicht, weder online noch offline. Was mir aber geholfen hat, solche dummen Bemerkungen nicht mehr an mich ranzulassen, war es, mir dieses Schubladendenken vor Augen zu führen. Ich war es nicht, die falsch war. Und du bist es auch nicht. Da ist nur ganz viel Unvermögen zur Selbstreflektion im Spiel.

    Noch einmal Danke für den fabelhaften Text. Ich bin froh, dass es diesen Blog gibt und freue mich schon auf viele neue Beiträge.

    Peace out und a lots of love
    Rina <3

  • Hey!
    Einerseits feiere ich dich gerade für diesen Beitrag, andererseits bin ich gerade echt schockiert, weil du so etwas erleben musstest, das tut mir wahnsinnig leid!
    Auf gut Deutsch gesagt: was für hinterwäldlerische A*schgeigen!
    Ich kenne Jodel nur von FB und wusste bis eben gar nicht dass das eine App ist.
    Aber anmelden werde ich mich dort wohl eher nicht.

    Ich werde niemals verstehen, wieso Menschen sich anmaßen, über so etwas zu urteilen.
    Leben und leben lassen. Als ob geschminkte weibliche Zocker irgendwem dadurch schaden würden, oder ein schlechtes Licht auf die Szene werfen, ey.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Nicci

  • Welch ein wundervoller Beitrag! <3

    Wenn ich ehrlich bin habe ich auch schon solche Situationen erlebt, in denen mir abgesprochen wurde ein Gamer zu sein, weil ich angeblich nicht danach aussehe. Am schlimmsten war jedoch einer, der mich ernsthaft fragte, ob ich das auf dem Bild bin, welches in meinem About Me auf meinem Blog steht. Etwas perplex fragte ich, wie er den darauf kommen würde. Es handelte sich um so ein Exemplar, wie du es geschildert hast. Entweder ist die Frau schön oder sie ist eine Gamerin – beides scheint nicht zu gehen und wenn, dann ist die Frau nur wegen dem Mann so. Ist schon klar. Zum Glück ist es mit den Jahren besser geworden, habe ich jedenfalls den Eindruck.

    Wichtig ist, sich niemals zu verstecken, selbst wenn es schwer fällt und das zu tun, was einem in diesen Hobby glücklich macht. Irgendwann werden auch die letzten Deppen kapieren, dass Games auch weibliche Herzen erfreuen. 🙂

  • Toller Text! Generell bin ich deiner Meinung und sehe den Umgang mit Genderismus und Vorurteilen allgemein im Bezug auf Gaming sehr kritisch, auch wenn ich selbst nie Probleme damit hatte, eine zockende Frau zu sein.
    Aber eine Sache stört mich an deinen Worten: Du hast ein negatives Erlebnis auf Jodel gemacht und baust darauf den gesamten Text auf, zumindest führst du neben Jodel keine weiteren Vorfälle auf. Abgesehen davon dass die Leute sich in dieser App noch mehr hinter ihrer Annonymität verstecken als sie es im Internetz ohnehin tun, sehe ich dieses Vorgehen etwas zwigespalten. Wir reden hier von Menschen die annonym gegen etwas sprechen. Du beziehst es aber auf die Gaming Szene. Ich wage zu behaupten (ohne es natürlich zu wissen), dass der Großteil der Leute die dich verhöhnt haben, keine „Gamer“ waren. Wahrscheinlich waren es Gelegenheitsspieler, die über ein besoffenes Match Fifa (ja die oberflächlich-abwertende Grenze kann man auch in die andere Richtung ziehen) nicht hinauskommen oder aber selbst kaum bis gar nicht spielen und einfach nur eine (vollkommen bezugsferne) Meinung haben. In diesem Falle wäre das Problem der Gesellschaft per se und der Gamer Szene.
    Ich habe persönlich noch keinen (männlichen) Zocker kennengelernt, der abwertend über Frauen in der Szene sprach oder mich gar persönlich anging.
    Das alles ist aber nur meine subjektive Wahrnehmung.

    • Hallo Meg, danke für deinen Kommentar!
      Du hast natürlich Recht, ich nutze nur ein Beispiel – und Jodel ist zum Glück auch das erste und einzige Mal, dass mir so etwas passiert ist – deswegen war ich ja auch so schockiert, weil ich sowas in über 20 Jahren noch nie erlebt hatte.
      Aber mein Text soll ja keine empirische Erhebung zu Diskriminierung in der Gamer-Szene sein oder irgendetwas verallgemeinern. Natürlich waren die Kommentarschreiber Idioten.
      Es ist einfach so, dass mich das Erlebnis, gepaart mit langen Gesprächen mit Freundinnen, zum Denken angeregt hat. Und diese Gedanken habe ich runter geschrieben, ganz subjektiv.
      Dabei möchte ich nicht, dass der Text ein Fingerzeig ist oder aussagt, dass zockende Frauen immer und überall so behandelt werden.
      Viel mehr war Jodel für mich der Auslöser, der mich über Weiblichkeitsbilder in der Szene allgemein hat nachdenken lassen. Und einen Text zu verfassen, der einige zum Denken anregt, aber auch meine positiven Wünsche an die Zukunft äußert. 🙂
      Sexismus in der Gamingbranche wirst du leider trotzdem häufig finden: In Youtube-Kommentaren zu Videos weiblicher Spieler, bei Twitch, in Voice-Chats und besonders überall da, wo man sich nicht innerhalb eines Bekanntenkreises bewegt.
      Trotz allem: Je mehr positive Erfahrung und Nicht-Betroffene, desto besser!

  • Danke für den Text! Ich selbst bin wohl eines dieser „Gamer-Girls“. Ich spiele Videospiele UND achte auf mein Aussehen, habe gerne gepflegte Nägel, Make-Up im Gesicht und hübsche Klamotten. Der Term „Gamer-Girl“ wird in diesem Text hier negativ bewertet. Ja er ist sexistisch. Ja, das Geschlecht ist egal. Es ist egal ob man als Mann dieses Hobby ausführt, oder als Frau. Dennoch habe ich kein Problem mich selbst als „Gamer-Girl“ zu bezeichnen. Dass das völlig inkorrekt ist, denke ich mir irgendwie. Wahrscheinlich rührt das von dem Zwang zur Selbstdarstellung. Gamer sein ist immer noch dominiert von Männern und zu der Sparte der weiblichen Konsumenten zu gehören, ist irgendwo doch noch besonders. Dieser Umstand tut meinem Selbstbewusstsein irgendwie gut, ich kann denken, „hey, ich bin doch irgendwas besonderes! :D“. Völlig vertrackt und eigentlich kompletter Unsinn. Was die Jodel Geschichte angeht: Das Netzwerk kann sich leider nicht wirklich damit brüsten, besonders feministisch eingestellt zu sein. Dafür habe ich in der „realen Welt“ überwiegend positives Feedback zu meinem Hobby bekommen, besonders von der Männerwelt. Viele waren äußerst interessiert und auf Austausch bedacht. Wenn negative Reaktionen kamen, dann immer nur bezogen auf das Hobby an sich (und die ganzen Klischees) und nicht weil ich als FRAU dieses Hobby ausübe.
    Das was du schreibst, ist oft ein Problem. Oftmals wird eine Frau (auch in fiktionalen Frauenrollen) erst als „starke Frau mit einer starken Frauenrolle“ wahrgenommen, wenn sie „typisch männliche Züge“ hat. Gerne kämpft. Sich dreckig macht. Sich prügelt. Kein Make-Up auflegt. Auf ihre Klamotten nicht achtet. Warum darf nicht jede Frau stark sein? Eine starke Frau, ein Gamer, ein Nerd, darf auch eine Frau sein, die blond ist, Make-Up trägt, sich die Nägel macht und die sich sexy gibt, wenn sie das möchte. Ich hoffe das wird den Leuten und der Industrie irgendwann mal bewusst. Liebe Grüße!

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