Review: Star Wars: Blutlinie

Blutlinie von Claudia Gray ist der zweite Star Wars Roman, den ich hier bei Red Riding Rogue vorstelle. Der erste war Leia – Prinzessin von Alderaan, welcher ebenfalls aus der Feder von Claudia Gray stammt und die Jugendzeit der jungen Leia Organa behandelt.
Blutlinie spielt wesentlich später, nämlich kurz vor Episode VII – Das Erwachen der Macht. Das macht es mir etwas einfacher, denn die Konsequenzen und die Zukunft ist durch die folgenden Filme klar – Wir treffen Leia als General des Widerstands, die Erste Ordnung ist an der Macht, Luke ist verschwunden.
So kann ich etwas freier über die Dynamiken des Buches schreiben, selbstverständlich sei jedoch gesagt, dass ich trotz allem keine Spoiler anbringen werde.

Klappentext:

Als die Allianz dem scheinbar übermächtigen Imperium bei der Schlacht von Endor einen vernichtenden Schlag versetzte, war Leia Organa davon überzeugt, dass nun eine Ära des Friedens Einzug halten würde. Doch nun, nach jahrzehntelangem Streit und Uneinigkeit innerhalb des Senats der Neuen Republik, scheint dieses Ziel in weite Ferne gerückt zu sein. Machthungrige Unterweltbosse, verräterische Politiker und Sympathisanten des Imperiums säen Gewalt und Chaos in der Galaxis. Schon werden Stimmen nach einer starken Führungspersönlichkeit im Senat laut. Doch gerade Darth Vaders Tochter weiß nur zu gut, wohin es führen kann, wenn sich zu viel Macht auf nur einer einzelnen Person vereint … Und genau in diesem Moment taucht ein neuer brandgefährlicher Feind auf, der Leia und die Neue Republik zum Handeln zwingt … 

Die Deutsche Version kommt auf insgesamt 400 Seiten und während der erste Leia Roman eher leichte Jugendliteratur war, würde ich Blutlinie als Politthriller bezeichnen. Normalerweise ist das nicht mein Genre, aber Gray schafft es selbst galaktisches Senatspolitik unglaublich spannend werden zu lassen.
Während in „Prinzessin von Alderaan“ ebenfalls die Politik des Imperiums thematisiert wird, so sehen wir doch alles durch die kindlichen Augen einer 16-jährigen Prinzessin – eine Kindlichkeit, die Blutlinie komplett ablegt.

Die Ausgangssituation ist wie folgt:
Leia ist in ihren späten Vierzigern, Mutter von Ben Solo, welcher sich gerade seinem Jedi-Training bei Luke Skywalker unterzieht. Leia hat weder zu ihrem Bruder, noch zu ihrem Sohn Kontakt. Da das Buch noch vor Kinostart von Episode VIII erschienen ist, wird hier auch komplett offen gelassen, wie es um Luke und Ben steht.
Leia und Han sind verheiratet und mehr oder weniger glücklich zusammen, leben allerdings getrennt, was besonders Leias politischer Rolle in der Neuen Republik verschuldet ist. Sie lebt auf Hosnian Prime, dem Sitz des Senats der Republik, während Han Solo in einem anderen System Pod-Rennen veranstaltet und seiner Leidenschaft, dem Fliegen, nachgeht.

Die Neue Republik ist in zwei Lager gespalten; die Populisten, denen Leia angehört, welche demokratische Werte verkörpern, alles ablehnen wofür das Imperium stand und allgemein sehr humanistisch geprägt sind. Ihnen Gegenüber stehen die Zentristen, die hingegen eine sehr konservative Haltung vertreten und die Notwendigkeit eines alleinigen Herrschers sehen, um die Galaxis unter strikter Hand führen zu können.
Schnell kristallisiert sich heraus, dass es in beiden Reihen Extremisten gibt. Während extreme Populisten am liebsten Wahlen komplett abschaffen wollen und dem Volk die Macht geben wollen, so finden sich unter der Zentristen auch Verehrer des Regimes von Palpatine. Nicht wenige von ihnen sammeln alte Relikte aus der Zeit des Imperiums und glorifizieren den Imperator, auch wenn sich natürlich keiner offen dazu bekennt.

Leia hat durch ihre Schlüsselrolle in der Rebellion einen besonderen Stellenwert im Senat und genießt als Kriegsveteranin viel Ansehen. Selbst die, die nicht ihre politische Meinung teilen, respektieren Leia, was ihr viele Türen öffnet und dafür sorgt, dass sie im Senat gehört wird.
Was allerdings niemand aus der Republik weiß und was – wie der Buchtitel bereits impliziert – einen großen Schatten auf ihr Leben wirft, ist die Tatsache, dass sie die Tochter Darth Vaders ist.
Im Roman erfahren wir, dass dieses Wissen nie an die Öffentlichkeit gelangt ist und nur Luke und Han sowie einige engste Vertraute um die Verwandtschaft zu dem einstigen Sith-Lord wissen.
Während Luke bei den letzten Momenten seines Vaters anwesend war und erlebt hat, wie Vader wieder zu Anakin Skywalker wurde und schließlich die helle Seite der Macht gewählt hat, hat Leia große Probleme damit ihren Vater zu akzeptieren und nicht als das Monster zu sehen, das sie kennengelernt hat.
Nicht nur hat Vader sie gefangen genommen und gefoltert, er hat sie auch mitansehen lassen, wie er ihren Heimatplaneten Alderaan zerstört hat.
Leias innerer Konflikt spielt eine zentrale Rolle, auch für ihr eigenes Handeln und ihren politischen Werdegang.

 

 

Einstieg in die Handlung und das Komplott aus Politik, Kriminalität und Intrigen bildet eine Hilfmission, für einen kleinen Planeten. Leia, welche durch die jahrelange, fruchtlose Arbeit in der Republik zynisch geworden ist, möchte endlich wieder etwas bewegen und anpacken, statt immer nur zu diskutieren.
Der Senat stellt ihr dafür einen jungen Zentristen namens Ransolm Casterfo an die Seite, welcher gemeinsam mit ihr und ihrem Team aus Staff und Piloten (und C3PO!) zu der Mission aufbricht.

Casterfo ist eine neue Figur und, neben Leia selbst, bei Weitem auch die Strahlendste in diesem Roman. Er ist charmant und hat Prinzipien, gerät aber auch immer wieder mit der Prinzessin aneinander, da ihre politischen Ansichten weit auseinander liegen. Mit dem jungen Zentristen ist Gray eine Figur gelungen, die sich wunderbar im grauen Bereich einordnen lässt, irgendwo zwischen Protagonist und Antagonist, eine Figur, die uns eine andere Perspektive gibt, bei der wir nicht wissen, ob wir sie mögen dürfen oder nicht – und doch es ist schwer, ihn nicht zu mögen.
Auch Leias Team ist alles andere als blass, mit Greer Sonnel und Joph Seastriker wurden zwei sehr lebendige, authentische Figuren geschaffen, die perfekt in das Star Wars Universum passen und welche man schnell ins Herz schließt.

Während ein Teil des Buches sich um die Konstellation dieser Figuren dreht, um neue Perspektiven, Toleranz, Vertrauen und Freundschaft, so droht im Hintergrund etwas weit aus Größeres zu wachsen, etwas, was die Neue Republik zerstören will und dabei auch nicht vor Gewalt und Verrat zurückscheut.

Wie bereits erwähnt, würde ich Blutlinie als Politthriller bezeichnen, denn Politik spielt eine zentrale Rolle. Idealismus und Extremismus treffen aufeinander. Dabei hat der Roman sicher auch seinen Stellenwert in unserer Kultur, denn auch wenn die Story in einer Galaxis weit, weit entfernt spielt, so ist uns politischer Extremismus, ein Rechtsruck in der Politik und das blinde Verklären von alten Prinzipien leider nicht fremd.
Ganz besonders dieser Aspekt gibt dem Buch sehr ernste Töne. Es wird gezeigt wie fanatische Politiker an die Macht kommen, wie Massen instrumentalisiert werden, wie Medien Wahrheiten verdrehen und wie Lügen zu gewünschten Ergebnissen führen.
Für ein Happy End ist da wenig Platz, denn das ist die grausame Realität.

“When the people with authority don’t have to answer to citizens of the galaxy, the result is tyranny.”

Fazit:

Meine anfänglich Sorge, dass so ein politisches Buch extrem langatmig und trocken wird, wurde schnell zerschlagen.
Blutlinie glänzt mit fiesen Intrigen, einem komplexen Plot, viel Action und Abenteuer und sehr authentischen, lebendigen Figuren, die glücklicherweise nicht nur Lückenfüller sind, die Leias Geschichte erzählen sollen.
Aber Leias Geschichte wird erzählt, die Charakterisierung einer Frau, die Krieg miterlebt hat, einer Mutter, Frau, Heldin, Politikerin, Tochter – wunderbar komplex und ausgereift.

Teilweise ist die Geschichte mir sehr nah gegangen und gerade zu Ende sind bei mir auch ein paar Tränen geflossen. Wer Prinzessin Leia kennt und liebt, leidet mir ihr. Und man wünscht dieser Frau doch nur etwas Glück, etwas Frieden, nach allem, was sie durchgemacht hat.
Blutlinie schafft es, den Leser zu fesseln, es reißt mit, es macht wütend.
Wütend über Ungerechtigkeiten, über Ignoranz, über Machtlosigkeit. Genau das macht es so interessant, so echt und sorgte dafür, dass ich das Buch am Ende nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Blutlinie ist in Deutschland im Panini Verlag erschienen und bei Amazon erhältlich. (Werbung – Partnerlink)

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